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Hier schreibt Katrin Heidelberger.

 

 

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Großglocknerrunde

Tag 1

 

Ende Juni machen wir uns auf zu neuen Alpenabenteuern. Wir, das sind sechs wanderwütige Flachländer.

Der Plan ist, in sieben Etappen an sieben Tagen einmal um den Großglockner, doch meistens kommt es anders als geplant. Der höchste Berg Österreichs reizt uns schon lange. Nun wird er im Mittelpunkt unserer diesjährigen Wanderwoche stehen. Mit Hilfe der Nationalparkverwaltung Hohe Tauern haben wir die Strecke durchgeplant und die Übernachtungen gebucht. Eigentlich ist es für diese Strecke noch zu früh im Jahr, wir starten trotzdem.

 

Ohne Zwischenfälle erreichen wir am Anreisetag unser erstes Quartier in Bruck, Ortsteil von Zell am See. Hier am Ausgangspunkt und Zielort unserer Tour werden wir noch einmal richtig verwöhnt. Bei bestem Sommerwetter sitzen wir im Lukashansl, genießen einen Eisbecher und blicken erwartungsvoll auf den Berg, um den sich in den nächsten Tagen alles drehen wird.

 

 

Tag 2

 

Gut geschlafen, nach leckerem Frühstück und voller Tatendrang starten wir, etwa 8.00 Uhr, unsere Tour  mit einer Busfahrt ins Kapruner Tal. Leider ist der Lärchwand-Schrägaufzug  in diesem Jahr nicht in Betrieb. Im modernen Reisebus passieren wir die gigantischen Tunnel auf der Bergstraße zum Mooserboden-Stausee. Hier auf 2036 m Höhe beginnt nun endlich unser Marsch. Es ist 10.00 Uhr morgens noch ziemlich kühl hier oben. Aber wir werden bald ins Schwitzen geraten.

 

Fast eben verläuft der Weg am Stausee entlang, hält uns jedoch länger auf als geplant. Die zahlreichen Wasserläufe von den Bergen zum See, sind normalerweise mit ein paar Schritten durchs Wasser oder überkleine Stege zu überqueren. Durch die starke Schneeschmelze sind die Stege jedoch überspült und das Wasser teilweise tiefer als unsere Wanderschuhe hoch sind. Da heißt es immer mal wieder Schuhe und Strümpfe aus und barfuss durch das eiskalte Wasser.

 

Dann machen wir uns an den Aufstieg zum Kapruner Törl. Ein anspruchsvoller Anstieg über 600 Höhenmeter durch tiefen, weichen Schnee. Nun weiß ich auch warum die Nationalparkverwaltung Steigeisen oder Grödel empfohlen hat. Ich bin Rüdiger dankbar, das er ein zweites Paar Steigeisen dabei hat. Hin und wieder entdecken wir eine Wegmarkierung, die uns bestätigt, das unsere Richtung noch stimmt, bis wir erschöpft das Kapruner Törl erreichen.

 

Auf der anderen Seite vom Törl ist glücklicherweise kein Schnee zu sehen. Zuversichtlich beginnen wir die 600 Höhenmeter zum Stausee Tauernmoossee  abzusteigen und entdecken bald auf der anderen Seite des Tals den Berg mit unserem Tagesziel, der Rudolfshütte. Doch es vergeht noch viel Zeit, bis wir es erreichen.

 

Stunden später ist der beschwerliche Abstieg zum Tauernmoossee geschafft. Nun müssen wir au der anderen Seite wieder rauf. 300 Höhenmeter trennen uns noch vom Quartier. Kühle Abendluft lässt uns frösteln, frustriert legen wir gegen 19.30 Uhr eine Pause ein. Wir wissen bis 20.00 Uhr erreichen wir niemals die Rudolfshütte, also ruft Heidi die Wirtin an, damit diese weiß: Die Truppe kommt noch, nur später.

 

Nach einigen Orientierungsversuchen, meinen wir auf dem falschen Weg zu sein. Also raffen wir uns auf und gehen noch mal zur letzten Gabelung zurück und dann in die entgegengesetzte Richtung weiter. Wir schleppen uns einen sanft ansteigenden breiten Wirtschaftsweg entlang, bis wir eine Stunde später wieder einen Wegweiser erspähen. „Niedere Scharte“ steht auf dem Schild, das den Weg über den Berg zur Rudolfshütte anzeigt. Veranschlagte Gehzeit: 1,5 Stunden!

 

Und es wird bald dunkel. Nichts geht mehr, völlig demoralisiert stehen wir vor dem Einstieg. Die Wirtin der Rudolfshütte geht nicht ans Telefon. Ott und ich schmieden einen Plan, wie wir uns mit unseren Notzelten einen Unterschlupf bauen können, um die Nacht im Freien zu verbringen. Gewitter ziehen auf, Blitz und Donner kommen immer näher. Dann ruft die Wirtin zurück. Erstaunt erklärt sie uns, das wir eine Stunde lang in die verkehrte Richtung gelaufen sind.

 

Sie hat Mitleid mit uns und verspricht: bleibt wo ihr seit, wir holen euch ab und bringen euch zur Rudolfshütte, in ca. 40 min. sind wir da. Erleichtert setzen wir uns Gras und halten Ausschau nach dem Auto welches uns abholt. ( Es gibt ja auch Berghütten, die mit dem Auto erreichbar sind)

 

Dort, von der Staumauer, wo dieser Wirtschaftsweg hinführt, muss es kommen – reden wir uns ein!

Inzwischen ist es dunkel, statt des Autos kommt ein Anruf. Wir sind ganz in Eurer Nähe, ihr müsstet uns schon sehen. Und wir sehen oben auf dem Berg die Stirnlampen leuchten. Unserer Wirtin hat sich nicht nur ihr Lebensgefährte und ihr Hund angeschlossen, auch ein Bergführer ist mit gekommen um uns zu retten.

 

Diese Vier und die bedrohlich nahen Gewitter mobilisieren unsere letzten Kräfte. Gut das wir alle Stirnlampen haben. Ohne die ortskundigen Führer hätten wir in der Dunkelheit niemals den rechten Weg gefunden. So stolpern wir, 1,5 Stunden lang, über vorderen, mittleren und hinteren Schafbichel bis endlich die Rudolfshütte erreicht wird. Genau 23.20 Uhr erreichen wir das ersehnte Ziel und werden zunächst mal reichlich bewirtet. Kraftlos sitzen wir vor den riesigen Portionen liebevoll angerichteter Speisen und sind nicht im Stande etwas zu essen. Ich schütte einen Liter Schiwasser in mich rein und möchte, wie alle andern nur ins Bett.

 

Statistik:

Höhenmeter nach oben: 931m, nach unten 663

Streckenlänge 12 km     Wanderzeit 11 Stunden 20 min !

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© Katrin Heidelberger